Die Burger-Verschwörung

 

„Das macht die doch mit Absicht!“, denke ich, als mir die Burger-Beauftragte auf einem nicht versilberten Holzbrett das gigantische Fleischkonstrukt serviert, und zwar zuzüglich Salat und Pommes, die ich zuvor leider unachtsamerweise nicht in meine freien Magenkapazitäten einbezog.

Mit Aufprallen der Fressplatte auf dem Tisch dauert es ganze null Komma fünf Sekunden, bis ich drei Dinge weiß:

Erstens: Ich brauche einen Burger-Plan, sozusagen eine Burger-Initiative, um den Klops im Deckel samt kleckriger Soße sowie der fein aufgestapelten Salatbeilage zu bändigen.

Zweitens: Es kann nur einen Sieger geben … Den verdammten Burger.

Drittens: Mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent haben die in der Küche.

Wetten laufen, dass mein Shirt bekleckert ist, wenn ich das Restaurant verlasse.

Die Burger-Verschwörung! Na prima! Und ich als schlecht gecastete Hauptperson mittendrin.

Wie zur Hölle würden Sie, lieber Leser, einen Burger auf liebevolle Art genießen, dessen gigantische Höhe gefühlte fünfzig Zentimeter beträgt? Kurz mal von allen Seiten scannen … Es geht nicht!

Auf die Seite legen? Aus Platzgründen scheidet diese Variante leider aus. Das Holzbrett ist zwar in etwa so groß wie ein Backblech, jedoch nehmen Beilage und Beilage zur Beilage einen nicht unbeträchtlichen Platz ein, sodass der ermittelte Aufprallpunkt des Burger-Deckels bei exakt neun Komma drei Zentimetern neben dem Brett auf der fein auf die Deko abgestimmten Tischdecke läge.

Aufgrund der Gesamt-Burger-Höhe ist einfaches Abbeißen ebenfalls keine mir sinnvoll erscheinende Option. Der Quetscheffekt, den Deckel und Fleisch auf die Soße … Nicht auszudenken.

Okay, die haben Besteck geliefert. Aber schneiden? Diese Methode haben sie wohl bei der Wettannahme in der Küche als einzig wahre Möglichkeit in Betracht gezogen. Und jetzt raten Sie, lieber Leser, was deren logische Schlussfolgerung gewesen sein muss. Auf einen derart perfiden Komplott kommen Sie nie. Da verwenden die statt der herkömmlichen, butterweichen Burger-Brötchen doch tatsächlich backfrische Bröselbrötchen, die sich auch garantiert nicht schneiden lassen! Allenfalls mit der Axt, jedoch ebenfalls nicht, ohne ein Blutbad am Burger und meinen Fingern zu hinterlassen.

Schweißperlen der blanken Angst stehen mir auf der Stirn, als mir die überaus freundliche (oder war es Sarkasmus am Opfer?) Bedienung folgende Worte zu verstehen gibt: „Sie schaffen das schon. Sie haben ja eine Serviette.“

Eine Stoffserviette. Im Ernst jetzt? Jeder, wirklich jeder weiß doch, dass Stoffservietten in einem Restaurant nur aus einem Grund auf dem Tisch liegen: Um dem Gast – dem kleckernden Schwein – ein schlechtes Gewissen zu machen, weil niemand, wirklich niemand jemals in der Lage sein würde, den Ketchup sowie sämtliche anderen Essensreste rückstandslos aus der weißen Baumwolle zu entfernen.

Wie dem auch sei. Angestrengt, aufgeregt und wohl wissend, möglicherweise gleich einen der anderen Gäste versehentlich mit saftigen Fleischbrocken (und ich Idiot bestell‘ auch noch medium) zu attackieren, versuche ich es mit der mir als einzig richtig erscheinenden Methode: Erlegen, sezieren, und zwar so schnell wie möglich mit allen mir und meiner nebenan sitzenden Tochter zur Verfügung stehenden Fingern.

Eine halbe Stunde später ist es vollbracht, aufgrund der enormen Menge zumindest zu achtzig Prozent. Ich hätte nicht kurz vor dem Abendessen eine halbe Tüte Weingummi inhalieren sollen. Ich Depp!

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht gratuliere ich mir innerlich zu meiner Meisterleistung. Ich bin völlig überfressen und drohe, in muckeliger Fressnarkose zu eskalieren, froh darüber, keine Burger-Flecken auf meinem Shirt … Oh Shit! Salatdressing auf meiner Hose.

Anmerkung an die Küche:

Wenn Sie jetzt noch die Pommes zusätzlich als Wackelturm drapieren, steige ich zukünftig gern ins Wettgeschäft mit ein.

© Emily Chuck

 

Diese Kurzgeschichte widme ich dem gesamten Team des Landhauses Sietow.

In den Sommerferien 2016 verlebte ich in einer der gemütlichen Ferienwohnungen ein paar aufregende Tage. Dass ausgerechnet das Abendessen im Restaurant – mit übrigens vorzüglicher Küche – eines meiner größten Highlights sein würde, ahnte ich nicht. Und doch passierte das Unfassbare … 

Vielen Dank, liebes Team vom Landhaus Sietow, für einen unvergesslichen Urlaub, der mich zur Idee der „Burger-Verschwörung“ inspiriert hat.

Ihre Emily Chuck

3 Kommentare

  1. Geschafft, vollbracht und schön geschrieben!
    Eine Homage an die Autorin und die Erschaffer diesen Burgers.
    Ebenfalls eine gute Vorbereitung für Bürger, die auf eine Burger-Verschwörung treffen.

    Danke für die erheiternden Minuten liebe Emily
    Nora Münch
    P. S. Wenn ich Stoffservietten bekomme, benutze ich sie rücksichtslos 😉

  2. Hallo liebe Emily, das ist wirklich eine sehr lustige Geschichte, wie aus dem Leben! Viel Erfolg weiterhin wünscht Dir Deine Wessi-Ex-Arbeitskollegin Gaby W. aus K.

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