Unsichtbar

Quietschend rollte der Medikamentenwagen durch die schummrig beleuchteten Gänge. Die Patienten des Pflegeheimes schliefen endlich. Ruhe kehrte langsam ins Haus ein.
Müde schob die Pflegerin Monika das Wägelchen von Zimmer zu Zimmer, um die letzten Tabletten zu verteilen. Ihre Hände zitterten vor Erschöpfung, als sie dem gebrechlichen Herrn Sager den Becher hinstellte. Der Medikamentenverweigerer schnarchte demonstrativ die Wand an. Wie immer, würde er das Zeug wegschütten. Er traute weder den Ärzten noch dem Pflegepersonal.

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Das Leben geht weiter

Frauenpower

Das Schreiben beflügelt mich.

Räumt meine Seele auf.

Schubladen werden geöffnet.

Geleert und verarbeitet.

Schubladen werden geschlossen.

Das Leben geht weiter.

copyright, 2017 Caroline Régnard-Mayer

copyright, 2017 Caroline Régnard-Mayer

 

Ich bewundere es, mit welcher Stärke Du durchs Leben marschierst und dabei so vielen anderen Menschen Mut machst 🙂

Schaut Euch unbedingt Caros Website an.

 

Vielen Dank liebe Caro, für diesen tollen Beitrag. Ich freue mich auf das virtuelle Teekränzchen bei einem leckeren Rhoibusch-Tee 🙂

Wiebke hat vor einiger Zeit eine Zeichnung von mir angefertigt, auf die ich sehr stolz bin. Vielen Dank dafür 🙂

Wiebke Worm zeichnet Emily Chuck

© Wiebke Worm

Weitere tolle Zeichnungen und Fotos sowie Geschichten findet Ihr hier.

 

Definitiv die erste Wahl für das virtuelle Teekränzchen ist Wiebke Worm, eine liebe Freundin, geschätzte Kollegin und gefürchtete Lektorin 😀

 

Ach, denkt sich Olga, wenn ich doch nur den Richtigen fände. Nicht das Olga, eine bildhübsche Russin, generell Probleme hätte, Einen zu finden. Im Gegenteil: Die Auswahl ist groß. Im Prinzip so groß, dass Sie Mühe hat, sich zu entscheiden. Es fällt ihr nicht leicht, täglich das gleiche, leidige Thema zu überdenken. Sie ist nahezu gestresst von der Situation. Doch Olga gibt nicht auf. Sie ist motiviert und sagt sich immer wieder: „Ich schaffe das.“ Olga sucht eben diesen Einen, den absolut Richtigen. Einen, der wirklich passt. Einen, der es schafft, ihre innere Ruhe zu aktivieren, ihr Stresslevel zu mindern. Einen, der ihr den Weg bereitet, sozusagen diese eine Tür offenhält. Die Tür zur Entspannung, zur Ruhe, zur Ausgeglichenheit, zur perfekten Harmonie. Aber dieser scheiß Autoschlüssel passt nun mal einfach nicht in das Schlüsselloch der verdammten Wohnungstür. Immer wieder diese Probleme, endlich den richtigen Schlüssel zu finden.

© Emily Chuck

 

Vielen Dank für die tolle Inspiration, du Verrückter 😀

 

Da saßen sie wieder, wie an jedem trostlosen Heiligabend, den sie in männerfreundschaftlicher Glühwein-mit-Spekulatius-Runde unter der verkrüppelten, jedoch liebevoll mit bunten Papierschnipseln dekorierten Weihnachtsbirke verbrachten. Auch Gabi, die einzige stumme Zuseherin, wurde auf ihrem Stammplatz drapiert und mit einem Spanngurt fixiert. Dies war auch dringend notwendig, denn im letzten Jahr sackte Gummi-Gabi unverhofft auf ihrem Stuhl zusammen und fiel mit dem Gesicht direkt in den vor ihr auf dem Tischersatz aus Bierkisten liegenden Weihnachtskranz. Kurzerhand transplantierten ihr der stotternde Paul, der einfühlsame Kurt und der zu klein geratene Sören ein neues Gesicht. Sören war früher Schönheitschirurg, bis die Staatsanwaltschaft eines Tages herausfand, dass er nicht einmal einen Schulabschluss hatte. Spenderin für das neue Gesicht war die „heiße Elfriede“, Gabis aufblasbare Vorgängerin, die viele Jahre lang ihren treuen Dienst erwies. Um diesmal ein erneutes Zusammensacken Gabis zu verhindern, beschlossen die drei Weihnachtsfreunde, Gabi vollständig aufzupumpen und den Spanngurt zu verwenden. Sicher ist sicher.

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Jeder kennt ja diese Tage, an denen der Stresspegel in einen Bereich ansteigt, in dem man irgendwie zwischen Haare raufen, Aggressions-Kiffen oder andere-Leute-die-Treppe-hinabschupsen steckt. Faktisch ist eine Sache blöd: Wenn man so oft Stress hat, dass einem so langsam diese Leute ausgehen. Ob in diesem Kaff deshalb nur noch so wenige Leute wohnen?“, frage ich mich und fange sarkastisch an zu grinsen. Möglicherweise, wenn man alle Umstände genau betrachtet, bin ich an der Abwanderung nicht ganz unschuldig. Andererseits will mich auch niemand erleben, wenn ich gestresst bin. Von daher gönne ich den Ausgerissenen ihr Glück in der neuen, trauten Heimat und begnüge mich beim morgendlichen Treppenschubsen eben mit den Übriggebliebenen, vom Schicksal Gezeichneten. Eine Entschuldigung meinerseits geht an dieser Stelle an Sabrina aus einer der unteren Etagen. Tut mir echt leid, dass dein Bein den physikalischen Gesetzen des Falles gestern Morgen nicht standgehalten hat. Ein lieb gemeintes „Hals- und Beinbruch“ wirkt in dieser Situation wohl etwas skurril oder?

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Es gibt Menschen, die trifft man und schließt sie sofort ins Herz. Und es gibt Personen, die trifft man … am besten dorthin, wo es wehtut. Die, die man sofort ins Herz schließt, sind meist besonders. Besonders liebenswert oder besonders durchgeknallt. Ich mag die Kombination aus beidem, in jedem Fall aber besonders.

Diese Besonderheit stellt mich jedoch vor eine unheimliche Herausforderung: Ich bekam kürzlich von einem liebenswert, durchgeknallten Menschen eine Geburtstagsgeschenk-Auftrags-Kurzgeschichte auf beide Augen gedrückt. Das Schwierige: Die Erzählung sollte für eben diese Person geschrieben werden, da sie stets mit voller Begeisterung auf Neuerscheinungen aus meiner Tastatur wartet. Kein Ding, dann knalle ich eben eine Widmung darunter: „Für meine liebenswert, durchgeknallte Nachbarin“, oder so ähnlich. Somit wäre das erste Problem abgegessen. Die zweite Herausforderung: Natürlich soll sich in dieser Geschichte alles um diese Frau drehen. Ja … ähm … Hallo? Meine Storys sind gespickt mit Ironie. Und vor allem erzählen sie etwas. Ironie ohne Kritikpunkte funktioniert jedoch nicht. Es gibt eben Menschen, die sind so aalglatt (oder tun zumindest so), dass es schwerfällt, einen Aufhänger zu finden. Etwas über jemanden zu schreiben mit liebevoll verschnörkelten Worten, in feinstem Deutsch und mit solch herzzerreißender Inbrunst, dass mir die Tränen auf die Tastatur laufen? Na soweit kommt’s noch.

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Der Spreewald mit all seinen Facetten ist wirklich herrlich. Die atemberaubende Natur, die einzigartige Wasserlandschaft, romantische Kanufahrten, die leckeren Gurken. Der richtige Ort also, um zu entspannen und den Alltag für ein paar Tage hinter sich zu lassen. Oder Stunden. Oder Minuten. Das dachten sich wohl auch meine Eltern vor ein paar Wochen und haben kurzerhand beschlossen, mich meinem Alltag zu entreißen. Vielen Dank für diesen unbeschreiblichen Tag!

Es war Freitag, kurz vor Mittag. Ich wollte mich gerade an das nächste Kapitel meines Romans setzen, hatte bereits alle Unterlagen sortiert und Kaffee gekocht. Doch in dem Moment als ich meinen Hintern auf dem Stuhl platzieren wollte, begann das Glück im Unglück: Das Telefon klingelte. Auf dem Display erschien der Name „Mama“. Sicher will sie mir erzählen, dass sie die volle Fahrt in Richtung Urlaub aufgenommen haben. Das tat sie auch. Allerdings gab es in der Berichterstattung einen kleinen Haken: „Naja, also wir sind ja auf dem Weg in den Urlaub“, sagt sie mit leiser, fragender Stimme.

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